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Nemo Disco 15 und Nemo Forte im Test: Zwei Schlafsäcke, zwei Einsatzzwecke

Ein Monat, zwei Schlafsäcke, vier Testerinnen und Tester. Christoph und Dirk testeten den Nemo Disco 15, Silas und Marius den Nemo Forte.
Wie der Test ablief
Ein Schlafsack lässt sich in einer Stunde im Laden anprobieren. Ob er wirklich funktioniert, zeigt sich aber erst nachts, draußen, wenn es kalt wird oder der Wind über den Zeltboden zieht. Deshalb haben wir die Datenblätter beiseitegelegt und vier Community-Tester einen Monat lang mit den Schlafsäcken losgeschickt.
Christoph und Dirk testeten beide den Nemo Disco 15 (Herren, Regular) – unabhängig voneinander und in ganz unterschiedlichen Settings. Christoph war sechs Nächte in Portugal unterwegs, wildgecampt an der Küste, am Stausee und einmal komplett ohne Zelt am Strand, bei 15 bis 20 Grad und teils starkem Wind. Bei Dirk ging es kühler zu: zwei Touren durch den bayerischen Spessart und den Südschwarzwald, bei 7 bis 12 Grad – er hatte den Schlafsack von SportFits mit der ausdrücklichen Bitte um einen ehrlichen Test bekommen.
Silas und Marius testeten beide den Nemo Forte, in der Long-Variante. Silas hatte ihn fast täglich im Gepäck, auf einer Radreise durch Deutschland, die Niederlande und Norwegen. Von milden Nächten bis 8 Grad am Fuß eines Gletschers war alles dabei – inklusive einer Nacht, in der Wind und Regen den Schlafsack im offenen Shelter komplett durchnässt haben. Marius war im Hochsommer auf einer Alm und in einer Stollen-Unterkunft in den Alpen unterwegs, bei durchweg milden 10 bis 20 Grad.
Die getesteten Schlafsäcke
Preise und Verfügbarkeit findest du direkt im Shop.
Christoph und Dirk testeten den Nemo Disco 15

Erster Eindruck und Schlafkomfort
Direkt beim Auspacken macht der Disco einen hochwertigen Eindruck, nur dauert es ein paar Minuten, bis die Daune ihr volles Volumen entfaltet hat – normal für einen Daunenschlafsack, aber beim schnellen Camp-Aufbau sollte man es einplanen. Nähte und Füllung sind sauber, kalte Stellen hat Christoph keine gefunden. Etwas gewöhnungsbedürftig: Auf verschwitzter Haut nach einem langen Wandertag fühlt sich das Material zunächst leicht klebrig an, unangenehm wurde es aber nie. Dirk kann sich dem nur anschließen: Materialien, Nähte und Reißverschluss wirken auch bei ihm durchweg hochwertig, der Hauptreißverschluss hat sich in seinem gesamten Test kein einziges Mal verhakt – ein Problem, das er von anderen Schlafsäcken kennt und hier vermisst. Praktisch findet er außerdem die wasserabweisende Ausstattung im Fußbereich, gerade bei einwandigen Zelten, wo Feuchtigkeit dort oft erst spät auffällt.
Beim Schlafkomfort liefert der Disco genau das, was sich beide Tester erhofft hatten. Christoph, mit 183 cm an der Grenze zur Long-Variante, ist bei Regular geblieben – die richtige Entscheidung. Er dreht sich nachts viel zwischen Rücken-, Seiten- und Bauchlage, und die Spoon-Form macht das mit, ohne dass sich der Schlafsack mitdreht oder einengt. Die Fußbox lässt genug Raum, um die Füße natürlich zu positionieren. Dirk schläft überwiegend auf dem Bauch oder der Seite und nimmt gern ein Kissen mit in den Schlafsack – genau hier liegt für ihn die große Stärke des Disco. Obwohl er mit über 80 kg eher breit gebaut ist, hatte er an Schultern, Ellbogen, Hüfte und Knien genügend Bewegungsfreiheit. Die weite Spoon-Form schafft also nicht nur beim Drehen Platz, sondern auch für unterschiedliche Körperbauten.
Wärme, Belüftung und Handling

Bei 15 bis 20 Grad war der eigentliche Härtetest für den auf kühlere Nächte ausgelegten Disco für Christoph noch nicht erreicht. Trotzdem zeigte sich schon jetzt, worauf es ankommt: Nicht die reine Lufttemperatur entscheidet, sondern der Wind. An einer windigen Steilküste, wo er mit seinem alten Schlafsack selbst bei 10 bis 15 Grad gelegentlich fror, war im Disco kein Thema. Dirk testete bei ähnlich moderaten 7 bis 12 Grad und damit ebenfalls nicht am Limit – die ISO-Werte des Disco (Komfort bei etwa −3 °C, Komfort-Limit bei etwa −9 °C) hält er angesichts der üppigen Füllmenge von rund 630 Gramm Daune aber für plausibel. Durch den großzügigen Schnitt ließe sich der Temperaturbereich zur Not sogar mit einer Daunenjacke nach unten erweitern, was bei eng geschnittenen Schlafsäcken kaum möglich ist – für Dirk ein Grund, den Disco auch auf eine Wintertour mitzunehmen.
Ein klares Highlight ist für Christoph der Hauptreißverschluss: geschmeidig, verhakt sich nicht im Stoff, einhändig auch im Dunkeln zu bedienen – genau die Erfahrung, die auch Dirk macht. Bei den Thermo Gills gehen die beiden Meinungen dagegen auseinander. Christoph nutzt sie gezielt zur Feinjustierung: Die Belüftungsschlitze laufen etwas schwerer, lassen sich aber gut vor dem Einschlafen einstellen. Dirk sieht ihren praktischen Nutzen dagegen als begrenzt – wird ihm zu warm, öffnet er lieber direkt den Hauptreißverschluss, statt die kleinen Gills-Zipper zu bedienen, die sich zum Morgen hin ohnehin wieder von innen und außen schließen lassen müssten. Positiv erwähnt er dagegen das Kissenfach in der Kapuze: Sein improvisiertes Kissen aus Kleidung und Mesh-Beutel bleibt darin zuverlässig an Ort und Stelle, statt wie sonst zu verrutschen.
Packmaß, Gewicht und Einsatzbereich

Mit dem mitgelieferten Kompressionsbeutel packt der Disco kleiner, als Christoph ihn tatsächlich verstaut – bewusst, für eine breitere und standfestere Basis im Rucksack. Beim Gewicht schlägt der Umstieg von seinem alten Drei-Jahreszeiten-Schlafsack mit rund 400 Gramm zu Buche, was sich für ihn trotzdem rechnet: Er spart sich die zusätzliche Nachtkleidung, die er vorher regelmäßig eingepackt hat. Dirk sieht das ähnlich – mit nachgewogenen 1,32 Kilogramm ist der Disco für seine ISO-Einstufung kein Ultraleicht-Schlafsack, aber genau das ist für ihn eine bewusste Entscheidung zugunsten des Komforts. Er komprimiert seine Daunenschlafsäcke ohnehin nie ganz aus, weil starke Kompression gerade bei leicht feuchten Schlafsäcken die Bauschkraft unnötig verringert, und nimmt dafür lieber einen etwas größeren Rucksack.
Für Trekking- und Campingtouren in der kühleren Jahreshälfte empfehlen beide den Disco 15 uneingeschränkt – ganz gleich, ob man sich viel dreht, breiter gebaut ist oder gern mit Kissen schläft. Im Hochsommer, wie in Christophs Testzeitraum, ist er dagegen im Überangebot, dort sind leichtere Modelle im Vorteil. Verbessern würden beide Kleinigkeiten am Detail: Christoph das zu kleine Kissenfach für ein großes aufblasbares Kissen und die schwergängigen Thermo Gills, Dirk deren begrenzten praktischen Nutzen insgesamt.
Überzeugt hat mich der Schlafkomfort, in einer Deutlichkeit, die ich nicht erwartet hatte. Bei langen Wanderungen ist das kein Luxusdetail, sondern der Unterschied zwischen erholtem und mäßigem Weitergehen am nächsten Tag.
Der Hauptreißverschluss hat sich bei mir kein einziges Mal verhakt, das kenne ich von anderen Schlafsäcken leider anders. Nur die Thermo-Gills konnten mich nicht ganz überzeugen — wenn mir warm wird, öffne ich lieber einfach den Reißverschluss.
Silas und Marius testeten den Nemo Forte

Erster Eindruck und Bewegungsfreiheit
Schon beim Auspacken fällt die ungewöhnlich breite Form auf, die charakteristische Spoon-Form ist sofort erkennbar. Das Außenmaterial wirkt zunächst fast etwas plastikartig, insgesamt macht der Forte für Silas aber einen hochwertigen Eindruck: saubere Nähte, gut laufende Reißverschlüsse, gleichmäßig verteilte Füllung. Einzig die weiße Innenseite hält er für Camping nicht für die praktischste Farbwahl. Marius, der die Long-Variante getestet hat, bestätigt den hochwertigen Eindruck: Das synthetische Außenmaterial fühlt sich für ihn ähnlich weich an wie hochwertige Daunenschlafsäcke, auch Nähte und Reißverschlüsse sind sauber verarbeitet. Mit 1,98 Metern Körpergröße kann er zudem bestätigen, dass die Long-Variante auch für große Personen gut passt.
Der größte Pluspunkt ist für Silas ganz klar der Platz – so viel Bewegungsfreiheit hatte er in keinem Schlafsack zuvor. Drehen, herumwälzen, Knie anziehen: nichts spannt. Gerade für Seitenschläfer oder alle, die sich nachts viel bewegen, ein echter Vorteil. Die großzügige Fußbox hat allerdings eine Kehrseite – in sehr kalten Nächten führte sie bei ihm schnell zu kalten Füßen. Auch Marius bestätigt die von der Spoon-Form versprochene Bewegungs- und Beinfreiheit für Seitenschläfer: nicht unendlich, aber nach seinem Empfinden schon sehr großzügig.
Wärmeleistung und Belüftung

Bei der Wärmeleistung überzeugt der Forte über weite Strecken. Von 8 Grad am Fuß eines Gletschers bis zu milden 18 bis 20 Grad testete Silas ihn quer durch Skandinavien, meist reichten T-Shirt und kurze Hose darunter. Ab etwa 18 Grad wird es dann allerdings schnell zu warm – für wirklich warme Nächte eignet sich der Forte aus seiner Sicht weniger. Marius kam während seines Sommertests erst gar nicht in die Nähe kühler Nächte: Auf einer Alm bei rund 20 Grad nutzte er ihn mit geöffnetem Reißverschluss eher als Decke, und selbst in einer Stollen-Unterkunft auf 2.300 Metern fiel die Temperatur trotz geöffneter Thermo Gills nicht unter 10 Grad – für ein echtes „Runterkühlen“ reichte deren Wirkung bei diesen Bedingungen für ihn noch nicht aus. Die vom Hersteller angegebene Komforttemperatur von rund −2 °C hält er angesichts dessen für plausibel, auch wenn er sie selbst nicht testen konnte.
Die Kapuze konnte Silas nicht ganz überzeugen: Selbst komplett zugezogen bleibt die Öffnung am Gesicht relativ groß, weshalb er fast immer zusätzlich mit einem Buff geschlafen hat. Auch der Wärmekragen sitzt bei ihm oft zu weit unten und wärmt eher die Brust als den Hals. Marius sieht genau dieses Feature positiver: Der „Blanket Fold“ unterstützt aus seiner Sicht den Wärmeerhalt in kalten Nächten deutlich, weil er sich angenehm um den Hals legt und Zugluft abhält – in wärmeren Nächten hat ihn der Kragen allerdings gestört, wenn er ihn nicht aktiv weggefaltet hat. Bei den Thermo Gills sind sich beide einig, dass ihr Nutzen Grenzen hat: Bei Silas funktionieren sie bei leicht zu warmen Bedingungen überraschend gut, nur bei deutlich mehr als 20 Grad reicht auch das nicht mehr. Marius wiederum reichte ihre Kühlwirkung bei 10 Grad Umgebungstemperatur noch nicht – aus seiner Sicht trotzdem ein sinnvolles Feature, das den komfortablen Einsatzbereich nach oben erweitert, aber kein Ersatz für einen leichteren Schlafsack an wirklich warmen Tagen.
Am meisten überrascht hat Silas das Verhalten bei Nässe: In einem offenen Shelter wurde der Forte durch Wind und Regen auf fast der gesamten Länge nass, ohne dass die Wärmeleistung spürbar nachließ. Am nächsten Morgen war er erstaunlich schnell wieder trocken. Direkte Nässe-Tests hatte Marius zwar nicht, seine Erwartung deckt sich aber mit Silas' Erfahrung: Aufgrund der synthetischen Füllung rechnet er damit, dass der Forte mit Feuchtigkeit deutlich besser zurechtkommt als vergleichbare Daunenmodelle.
Packmaß, Handling und Einsatzbereich

Beim Hauptreißverschluss klemmt gelegentlich seitlicher Stoff ein – ein Problem, das Silas von praktisch allen seinen bisherigen Schlafsäcken kennt. Die Kapuzenbedienung findet er dagegen wirklich unpraktisch: Der Zug liegt auf der dem Reißverschluss gegenüberliegenden Seite, lässt sich schlecht fixieren und lockert sich beim Bewegen wieder. Marius kennt das Reißverschluss-Problem in ähnlicher Form – bei ihm verhakt sich vor allem die Innenseite der Thermo Gills gelegentlich im Stoff, was er aber, da man sich beim Schließen Zeit nehmen kann, nicht als echtes Problem empfindet. Auch das Schließen des Hauptreißverschlusses von innen fiel ihm in den ersten Nächten nicht leicht, klappte nach etwas Übung aber gut. Mit der Kapuzen-Zugmechanik kommt er dagegen deutlich besser zurecht als Silas: Mit der richtigen Technik lässt sie sich unkompliziert enger ziehen, bleibt von allein in diesem Zustand und genauso schnell wieder erweitern.
Die größte Schwäche zeigt sich beim Packmaß. Selbst mit einem speziellen Kompressionsbeutel kommt Silas nur auf rund 15 Liter – zu viel für eine Tasche am Rennrad, er musste den Schlafsack quer über dem restlichen Gepäck transportieren. Für Trekking- oder Wandertouren mit Rucksack hält er den Forte deshalb für ungeeignet. Marius kommt mit rund 12 Litern komprimiertem Volumen und etwa 1,6 Kilogramm Gewicht auf ähnliche Werte – für eine ambitionierte, grammbewusste Trekking- oder Bikepacking-Tour würde auch er eher zu einem leichteren Modell greifen. Für Camping mit Auto oder Van, wo das Packmaß keine Rolle spielt, sehen beide die Sache dagegen anders: viel Komfort für das zusätzliche Volumen, robust und langlebig genug für viele Jahre – vor allem für große, komfortorientierte Seitenschläfer, die einen Drei-Jahreszeiten-Schlafsack für feuchtere und kühlere Bedingungen suchen.
Wer viel Platz im Schlafsack braucht, sich nachts gerne bewegt und Wert auf hohe Wärmeleistung legt, bekommt hier einen sehr komfortablen Schlafsack. Wer dagegen möglichst leicht und kompakt unterwegs sein möchte, sollte sich nach einem anderen Modell umsehen.
Seine Stärken spielt der Forte vor allem beim Vanlife und auf Touren aus, bei denen Gewicht und Packmaß keine Top-Kriterien sind, dafür aber Feuchtigkeit und kalte Nächte eine größere Rolle spielen. Für sehr grammbewusste Trekking-Setups würde ich eher zu einem leichteren Modell greifen.
Fazit: Zwei Schlafsäcke für zwei Einsatzzwecke
Am Ende zeigen die Tests vor allem eins: Der richtige Schlafsack hängt weniger vom Preis ab als vom Einsatzzweck.
Beim Disco 15 bestätigen sich Christophs und Dirks Eindrücke gegenseitig, obwohl beide unabhängig voneinander und in ganz unterschiedlichen Settings unterwegs waren: Verarbeitung und Hauptreißverschluss überzeugen beide restlos, die Spoon-Form bietet spürbar mehr Bewegungsfreiheit als ein klassischer Mumienschlafsack – auch für breiter gebaute Seiten- und Bauchschläfer. Einzig bei den Thermo Gills gehen die Meinungen auseinander: Christoph nutzt sie an windigen Standorten gezielt zur Feinjustierung, Dirk greift lieber direkt zum Hauptreißverschluss. Der Disco 15 ist der Reisebegleiter für alle, die mit Rucksack unterwegs sind und Gewicht sowie Packmaß im Blick behalten müssen. Sein Revier beginnt dort, wo es kälter und windiger wird – im Hochsommer ist er eher überqualifiziert.
Beim Forte zeichnen Silas und Marius ein ähnlich stimmiges Bild: hoher Schlafkomfort durch die großzügige Spoon-Form, solide Verarbeitung, aber ein Packmaß, das gegen Ultraleicht-Ansprüche spricht. Beim Wärmekragen widersprechen sich beide interessanterweise – Silas findet ihn zu tief sitzend, Marius schätzt genau ihn als Wärme-Feature für kalte Nächte. Seine Stärken spielt der Forte dort aus, wo Platz keine Rolle spielt: beim Camping mit Auto oder Van, wo der außergewöhnliche Schlafkomfort und die zuverlässige Wärmeleistung voll zur Geltung kommen, ohne dass Packmaß oder Gewicht stören.
Bei Christoph und Silas überzeugt die Kapuzen- beziehungsweise Wärmekragen-Konstruktion nicht ganz. Dirk und Marius dagegen loben genau diese Features – ein Beleg dafür, wie unterschiedlich Passform und Vorlieben am Ende empfunden werden. Übereinstimmend positiv fällt dagegen das Verhalten bei Nässe aus: Sowohl Disco als auch Forte haben sich in den Tests erstaunlich gut geschlagen – ein Pluspunkt, den man weder einem Daunen- noch einem Synthetikschlafsack automatisch unterstellen würde.
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