E5: Zu Fuß über die Alpen

Von Oberstdorf nach Meran, über vier Hütten und zwei Jöcher bis an den Rand der Gletscher. Die Alpenüberquerung auf dem E5 als Geschichte in Etappen, mit dem, was in den Rucksack gehört, und dem, was du dir für den Sommer 2027 schon jetzt vornehmen kannst.
Am ersten Morgen ist der Rucksack zu schwer. Das ist er immer. In Oberstdorf riecht es nach frischen Semmeln und nassem Gras, die Trettachspitze steht im Licht, und irgendwo dahinten, eine knappe Woche und ein paar tausend Höhenmeter entfernt, liegt Meran. Mit Palmen, Weinbergen und Espresso auf der Kurpromenade. Dazwischen liegen die Alpen. Du willst sie zu Fuß überqueren.
Der E5 ist ein europäischer Fernwanderweg, der weit vor den Alpen beginnt und an der Adria endet. Berühmt geworden ist er wegen eines einzigen Stücks: der Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran. Jeden Sommer machen sich Wanderer aus halb Europa auf diesen Weg, allein, zu zweit, in Gruppen mit Bergführer. Die klassische Einteilung hat sieben Tagesetappen, manche brauchen mehr, kaum jemand weniger.
Jetzt im Herbst haben die Hütten längst zugemacht. Genau deshalb ist es die richtige Zeit, davon zu erzählen. Wer im nächsten Sommer gehen will, plant im Winter.
Der E5 in vier Zahlen
- Länder: Deutschland, Österreich, Italien
- 3
- Tagesetappen in der klassischen Einteilung
- 7
- Kemptner Hütte, die erste Nacht
- 1.846 m
- Similaunhütte am Niederjoch, der höchste Punkt
- 3.019 m
Allgäu: die ersten Höhenmeter
Der Weg beginnt gemütlich. Vom Ort geht es ins Trettachtal, vorbei an der Spielmannsau, wo viele erst einsteigen, weil sie das flache Stück mit dem Bus abkürzen. Dann wird es steil. Durch den Sperrbachtobel steigt der Weg zur Kemptner Hütte auf 1.846 Metern, die sich zwischen Krottenkopf und Mädelegabel in den Allgäuer Hauptkamm duckt. Die Hüttenwirte beschreiben sie so, und wer am Abend vor der Tür steht, wenn das Licht am Fels rot wird, versteht, warum.
Zwei Dinge lernst du am ersten Abend. Die Kemptner Hütte nimmt laut eigener Auskunft kein Kartengeld, nur bar. Und du schläfst im eigenen Schlafsack, nicht in Bettwäsche. Beides gilt auf vielen Hütten am E5, und beides solltest du vor dem Start wissen, nicht am Tresen.

Am zweiten Tag geht es über das Mädelejoch nach Österreich und hinunter ins Lechtal nach Holzgau. Das Tal ist grün und weit, der Gegenanstieg zur Memminger Hütte auf 2.242 Metern ist es nicht. Die Hütte wurde 1886 als Stützpunkt gebaut und liegt heute an einem Knoten mehrerer Fernwege, neben dem E5 kreuzt hier auch der Adlerweg. Abends sitzen Leute aus halb Europa an den langen Tischen und vergleichen Blasen.
Und davor? Oberstdorf erreichst du mit der Bahn, alles zum Ort findest du auf der Seite zu Oberstdorf und Kleinwalsertal. Wer vorher ein paar Tage zum Eingehen braucht, findet dort auch Touren für den ersten Rucksacktest: Wandern in Oberstdorf und im Kleinwalsertal.
Vom Inntal ins Pitztal: der lange Tag
Die dritte Etappe ist die, über die abends auf den Hütten am meisten geredet wird. Von der Memminger Hütte steigst du noch einmal zur Seescharte hinauf, dann geht es nur noch abwärts. Durch das Zammer Loch, eine enge Schlucht, hinunter nach Zams im Inntal. Es ist ein Abstieg, den du am nächsten Morgen in den Oberschenkeln spürst. Wer Stöcke dabei hat, ist an diesem Tag froh darüber.
Zams ist nach zwei Hüttennächten der erste größere Ort, mit Apotheke, Supermarkt und Geldautomat. Viele nutzen den Abend für eine Dusche ohne Münzeinwurf und ein Bett mit Laken. Am nächsten Tag kommt der Teil, der aus einer Wanderung eine Reise macht: über den Venet nach Wenns, dann hinein ins Pitztal, bis nach Mittelberg am Talschluss. Zwischen den Fußstrecken nehmen die meisten den Bus. Das ist kein Schummeln. Es ist die übliche Planung, und die Kraft brauchst du für das, was danach kommt.
Ab Mittelberg steigt der Weg zur Braunschweiger Hütte, auf 2.759 Metern ganz am Ende des Pitztals gelegen, erbaut 1892 und seither mehrfach erweitert. Ab hier ist der E5 hochalpin. Gletscher in Sichtweite, Schneefelder bis weit in den Sommer, und morgens um sechs eine Kälte, die man im Juli nicht erwartet. Mütze und Handschuhe, die im Tal lächerlich wirkten, sind jetzt die besten Teile im Rucksack.
Über das Jöchl ins Ötztal
Der fünfte Tag beginnt mit dem höchsten Übergang bis dahin. Über das Pitztaler Jöchl, knapp unter 3.000 Metern, wechselst du ins Ötztal. Oben stehst du in Fels und Schutt, gegenüber die Wildspitze, der höchste Gipfel Nordtirols. Auf der anderen Seite geht es hinunter ins Skigebiet am Rettenbachferner, wo im Oktober der Weltcup startet. Im Sommer ist hier nur Geröll und Wind.
Von dort führt der Weg weiter nach Vent, einem Bergsteigerdorf auf 1.896 Metern, das zur Gemeinde Sölden gehört. Wie du dazwischen planst, ob zu Fuß über den Panoramaweg oder mit Bus und Gondel, hängt von deiner Kondition und vom Wetter ab. Was das Ötztal sonst zu bieten hat, steht auf der Seite zu Sölden, Touren für einen Ruhetag findest du unter Wandern in Sölden und im Ötztal.
Von Vent ist es nur ein halber Tag zur Martin-Busch-Hütte auf 2.501 Metern. Der Weg führt durch das Niedertal, gemächlich und mit Blick auf den Similaun. Die Hütte der DAV-Sektion Berlin ist Stützpunkt für den E5 und für die Ötztaler Runde, und sie war 2026 im Sommer bis zum 20. September geöffnet. Wer den Nachmittag frei hat, sitzt draußen und schaut zu, wie die Wolken über den Alpenhauptkamm ziehen. Morgen geht es hinüber.

Similaun: der Schritt nach Süden
Der letzte Bergtag ist der höchste. Von der Martin-Busch-Hütte steigst du zum Niederjoch auf, wo die Similaunhütte auf 3.019 Metern steht. Sie ist der Übergang von Nordtirol nach Südtirol und der höchste Punkt der ganzen Überquerung. Nicht weit davon, am Tisenjoch, liegt die Fundstelle des Ötzi; die Hüttenwirte führen Gäste auf Wunsch dorthin.
Hier oben ändert sich etwas, das du nicht sehen, aber spüren kannst. Hinter dir liegt die Kälte der Gletscher. Vor dir fällt der Weg ins Schnalstal ab, zum Stausee bei Vernagt, und schon beim Abstieg wird die Luft weicher. Die Hüttenwirte nennen den Anstieg von Vernagt eine der schönsten Hüttenwanderungen Südtirols. Du gehst ihn in umgekehrter Richtung und hast den ganzen Tag das Tal vor Augen.
Von Vernagt bringt dich der Bus hinunter nach Meran. Die Stadt liegt auf rund 300 Metern, und der Unterschied ist brutal und schön zugleich. Gestern noch Schnee am Joch, heute Palmen an der Passer. Viele gehen am letzten Abend einfach durch die Lauben, mit Sandalen an den Füßen und den Schuhen im Rucksack, und können nicht ganz glauben, dass sie hierher gelaufen sind.
Was in den Rucksack gehört
Sieben Tage, alles auf dem Rücken: Beim E5 entscheidet die Ausrüstung nicht über Erfolg oder Scheitern, aber über die Laune. Ein Rucksack zwischen 40 und 50 Litern reicht, wenn du konsequent packst. Er sollte gut am Becken sitzen, weil das Gewicht an langen Tagen dort hingehört, nicht auf die Schultern. Wie viel Volumen du wirklich brauchst, rechnet dir der Rucksack-Rechner aus.
Für sieben Tage auf dem Rücken
Name, Bild und Preis kommen live aus dem Shop.
DeuterAircontact Core 45+10 SLTrekkingrucksack mit 45 plus 10 Litern, schmaler geschnittenZum Produkt →
DeuterAircontact Core 50+10Trekkingrucksack mit 50 plus 10 LiternZum Produkt →
DeuterFutura Air Trek 55+10 SLmit Netzrücken für warme AufstiegeZum Produkt →
FerrinoComfort Liner SQ XLHüttenschlafsack, auf vielen Hütten PflichtZum Produkt →
Big AgnesCotton Sleeping Bag LinerInlett aus Baumwolle für die HüttennachtZum Produkt →
Preise aus dem Shop, beim Laden der Seite abgefragt. Im Shop gilt der dort angezeigte Preis.
Der Schuh ist das zweite große Thema. Auf dem E5 wechseln Almweg, Geröll, Schneefeld und Asphalt, oft an einem Tag. Ein knöchelhoher Wanderschuh mit fester Sohle gibt auf dem Abstieg nach Zams Halt, und eine wasserdichte Membran hilft auf den Schneefeldern unter den Jöchern. Wichtiger als jedes Modell: Er muss eingelaufen sein, bevor du in Oberstdorf losgehst. Welcher Schuh zu deinem Fuß passt, klärt der Wanderschuh-Berater.
Schuhe und Stöcke für den Abstieg
LowaExplorer GTX Midknöchelhoch, mit Membran, HerrenZum Produkt →
LowaExplorer GTX Mid Wsknöchelhoch, mit Membran, DamenZum Produkt →
HanwagAlverstone II GTXfester Trekkingschuh, HerrenZum Produkt →
HanwagAlverstone II Lady GTXfester Trekkingschuh, DamenZum Produkt →
LEKIKhumbu LiteTrekkingstock für lange AbstiegeZum Produkt →
Devold of NorwayAdventure Merino Medium SockWandersocke mit Merino für mehrere TageZum Produkt →
Preise aus dem Shop, beim Laden der Seite abgefragt. Im Shop gilt der dort angezeigte Preis.
Die richtige Stocklänge für bergauf und bergab findest du im Wanderstock-Rechner.
Bleibt das Wetter. Gewitter am Nachmittag gehören im Hochsommer dazu, ein Kälteeinbruch mit Schnee am Jöchl ebenfalls. Eine Regenjacke, die sich klein verstauen lässt und dicht hält, ist deshalb kein Extra, sondern das Teil, das du jeden Tag mitträgst. Dazu eine warme Zwischenschicht, Mütze und Handschuhe. Welche Jacke für mehrere Tage am Stück taugt, klärt der Regenjacken-Berater.
Gegen Gewitter und Wind am Joch
Schöffel2L Jacket Style Maghera WMNHardshelljacke, DamenZum Produkt →
Schöffel2L Jacket Style Maghera MenHardshelljacke, HerrenZum Produkt →
BergansVaagaa Light 3L Shell Jacket Menleichte Dreilagenjacke, HerrenZum Produkt →
Preise aus dem Shop, beim Laden der Seite abgefragt. Im Shop gilt der dort angezeigte Preis.
Draußen steht dir. Auf dem E5 merkst du das spätestens am vierten Tag, wenn der Rucksack plötzlich leichter wirkt, obwohl nichts herausgekommen ist.
Der Sommer 2027 beginnt im Winter
Die Hütten am E5 sind nur im Sommer bewirtschaftet. 2026 lagen die Öffnungszeiten etwa zwischen Anfang Juni und Ende September: Die Kemptner Hütte nahm Buchungen vom 4. Juni bis 4. Oktober an, die Braunschweiger Hütte vom 8. Juni bis 23. September. Die Termine für 2027 legen die Hütten selbst fest. Sie stehen auf ihren Seiten, sobald sie feststehen, und wer im Juli oder August gehen will, sollte dann schnell sein. Die Lager an den bekannten Etappenorten sind früh voll.
Bis dahin bleibt Zeit, die Beine vorzubereiten. Ein Winter mit Ausdauer, ein Frühjahr mit langen Tagestouren und zum Schluss zwei, drei Tage hintereinander mit vollem Rucksack: Danach weißt du, ob du bereit bist. Und ob der Rucksack zu schwer ist. Das ist er immer, am ersten Morgen.
Inspiration, Wissen und Ausrüstung für Menschen, die draußen mehr erleben wollen.





