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Wo der Winter zuerst beginnt

Zwei Skifahrer auf einer sonnigen Gletscherpiste am Hintertuxer Gletscher, dahinter verschneite Gipfel
© Hintertuxer Gletscher

Ende Oktober laufen die Lifte nur dort, wo Eis unter dem Schnee liegt. Eine Reise über die Gletscher, auf denen der Skiwinter 2026/27 schon begonnen hat, und zu den Orten, die im November nachziehen.

Unten im Tal hängen noch die Kastanien an den Bäumen, die Wiesen sind grün, die Terrassen der Gasthäuser voll. Oben, eine Gondelfahrt weiter, knirscht es unter den Kanten. Wer Ende Oktober Ski fährt, fährt in zwei Jahreszeiten an einem Tag: Herbst am Parkplatz, Winter an der Bergstation.

Möglich ist das nur an wenigen Orten. Sie haben eines gemeinsam: Sie reichen über 3.000 Meter hinauf, und unter ihren Pisten liegt Eis. Wo der Winter 2026/27 schon läuft, wer im November nachzieht und was du anziehst, wenn du um acht Uhr bei minus zwölf Grad aus der Gondel steigst.

Die ersten Schwünge im September

Den Anfang machte das Pitztal. Am 26. September liefen am Pitztaler Gletscher die ersten Lifte des neuen Bergwinters, der Betreiber nennt den 2. Mai 2027 als geplantes Ende. Der Gletscherexpress, eine unterirdische Standseilbahn, bringt dich vom Talschluss in Mittelberg auf über 2.800 Meter, die Wildspitzbahn weiter hinauf.

Am 2. Oktober folgte der Hintertuxer Gletscher am Ende des Zillertals, der Betreiber spricht von der längsten Skisaison Österreichs. Am 9. Oktober begann der Stubaier Gletscher, mit geplantem Ende am 17. Mai 2027. Einen Tag später, am 10. Oktober, startete das Kitzsteinhorn über Kaprun, das einzige Gletscherskigebiet im Salzburger Land. Der Kaunertaler Gletscher zog am 17. Oktober nach. Und in Sölden fand am letzten Oktoberwochenende auf dem Rettenbachferner wie jedes Jahr der Weltcup-Auftakt statt.

Offene Anlagen am 26. Oktober

Hintertuxer Gletscher
13
Kitzsteinhorn
13
Stubaier Gletscher
12
Sölden
8
Pitztaler Gletscher
6

Die Zahlen oben stammen aus den Liftmeldungen der Bergbahnen und ändern sich täglich. Sie zeigen, was ein Herbstskitag ist: kein volles Skigebiet, sondern die hohen Lagen. Oft eine Handvoll Pisten, ein Park, ein paar Schlepplifte am Gletscherboden.

Auch abseits von Tirol und Salzburg läuft schon etwas. Am Mölltaler Gletscher in Kärnten meldeten die Bergbahnen am selben Tag drei offene Anlagen, darunter die unterirdische Standseilbahn aus dem Tal. In der Schweiz drehte sich in Saas-Fee der Alpin Express, fünf Anlagen waren offen. Wer an der Grenze wohnt oder ohnehin ins Wallis will, hat damit eine zweite Adresse für den Herbst.

Sölden ist ein Sonderfall. Hier liegen zwei Gletscher, Rettenbach und Tiefenbach, über eine Straße und einen Tunnel verbunden, und am letzten Oktoberwochenende fährt dort die Weltcup-Elite den ersten Riesenslalom des Winters. In der Woche danach ist es am Rettenbach erstaunlich ruhig. Die Strecke, auf der eben noch um Hundertstel gefahren wurde, gehört dann wieder dir.

Zwei Skifahrer auf einer Gletscherpiste im Pitztal vor verschneiten Dreitausendern
Am Pitztaler Gletscher liefen die ersten Lifte schon am 26. September.

Ein Tag am Hintertuxer Gletscher

Wie sich so ein Tag anfühlt, zeigt Hintertux gut. Die erste Bergfahrt geht laut Betreiber um 8.15 Uhr. Wer sie nimmt, steht kurz vor neun auf über 3.000 Metern, und der Schnee ist noch hart von der Nacht. Die Pisten sind früh griffig und werden mit der Sonne weicher. Wer kann, fährt deshalb am Vormittag und lässt den Nachmittag für die Hütte.

Die Pisten liegen hochalpin, großteils auf dem Gletscher, und sind mit Stangen und Seilen abgesichert. Was daneben liegt, ist offenes Gletschergelände mit Spalten. Für Anfänger ist der Herbst hier eingeschränkt. Das Familiengebiet am Sommerberg läuft erst im Winter, stattdessen gibt es ein Übungsareal am Gletscherboden.

Hin kommst du ohne Auto: mit dem Zug bis Jenbach, mit der Zillertalbahn bis Mayrhofen und weiter mit dem Linienbus nach Hintertux. Den Zillertaler Superskipass, der auch Penken, Ahorn und die Zillertal Arena einschließt, gibt es erst ab Dezember. Mehr zum Gebiet, zum Wetter am Berg und zu den offenen Anlagen steht auf der Seite Hintertuxer Gletscher.

Skifahrer auf einer präparierten Piste am Hintertuxer Gletscher

3D-Reise · 7 Kapitel

Hintertuxer Gletscher

© Hintertuxer Gletscher · Archivmotiv
Skifahrer auf einer präparierten Piste am Hintertuxer Gletscher
© Hintertuxer Gletscher · Archivmotiv

Der Skitag beginnt am Talschluss

Hintertux · Talstation

Hintertux liegt am Ende des Tuxertals: Mit dem Auto fährst du ab der Inntalautobahn, Ausfahrt Zillertal, rund 50 Kilometer taleinwärts. Mit der Bahn geht es bis Jenbach, mit der Zillertalbahn weiter nach Mayrhofen und von dort mit dem Linienbus bis zur Talstation. Dort parkst du laut Betreiber tagsüber kostenlos auf Freiflächen und in zwei Tiefgaragen; es sind reine Tagesparkplätze.

Quelle: Hintertuxer Gletscher: Anreise und Parken · geprüft 20.10.2026

In fünf Minuten auf 2.100 Meter

Sommerbergalm · 2.100 m

Vom Talboden auf 1.500 Meter bringen dich Gletscherbus 1 und die 8er Sommerberg in gut fünf Minuten zur Sommerbergalm. Rund um den Sommerberg liegen die Sesselbahnen Tuxerjoch und Lärmstange; dieser Bereich startet laut Betreiber erst im Lauf des Herbstes in die Wintersaison. Bis dahin ist die Sommerbergalm dein Umstieg auf dem Weg zum Gletscher.

Quelle: Hintertuxer Gletscher: Wissenswertes · Hintertuxer Gletscher: Gletscherskigebiet · Hintertuxer Gletscher: Anlagen · geprüft 20.10.2026

Am Fernerhaus umsteigen

Tuxer Fernerhaus · 2.660 m

Gletscherbus 2 und die 4er Fernerhaus führen von der Sommerbergalm zum Tuxer Fernerhaus auf 2.660 Meter. Hier beginnt das Gletschergelände, am Gletscherboden steht ein Babylift für die ersten Schwünge. Von der Talstation bis ganz nach oben rechnet der Betreiber mit rund 40 Minuten in drei Gondelbahnen und zwei Umstiegen; plane das für den Morgen ein.

Quelle: Hintertuxer Gletscher: Anlagen · Hintertuxer Gletscher: Ticketpreise (FAQ) · geprüft 20.10.2026

Oben an der Gefrorenen Wand

Gefrorene Wand · 3.250 m

Gletscherbus 3, eine Zweiseilumlaufbahn, fährt in rund fünf Minuten vom Tuxer Fernerhaus auf 3.250 Meter. Von der Panoramaterrasse siehst du laut Tourismusverband die umliegenden Dreitausender und den Olperer. Zehn Gehminuten von der Bergstation liegt der Natur Eis Palast, 30 Meter unter der Piste; die geführte Tour dauert rund 70 Minuten und ist nicht im Skipass enthalten.

Quelle: Hintertuxer Gletscher: Wissenswertes · Hintertuxer Gletscher: Natur Eis Palast · TVB Tux-Finkenberg: Hintertuxer Gletscher · geprüft 20.10.2026

Auf den Gletscherpisten bleiben

Olperer · Kaserer

Unter Olperer und Kaserer ziehen Schlepplifte über den Gletscher; die Pisten am Hintertuxer Gletscher liegen laut Betreiber größtenteils auf Gletscher. Holzstangen mit gespannten Seilen markieren die Pisten, überwacht werden nur markierte und geöffnete Pisten. Bleib deshalb auf den Pisten und sieh vor der Fahrt im aktuellen Betriebsstand nach, welche Lifte heute laufen.

Quelle: Hintertuxer Gletscher: Wissenswertes · Hintertuxer Gletscher: Anlagen · geprüft 20.10.2026

Mit Ski zurück ins Tal

Talabfahrt Schwarze Pfanne

Die Talabfahrt Schwarze Pfanne führt laut Tourismusverband rund sechs Kilometer bis ins Ortszentrum von Hintertux; der Betreiber führt sie als mittelschwere, beschneite Piste. Die Waldabfahrt ist dagegen eine Skiroute, unpräpariert und ohne Angabe zur Schwierigkeit. Ist die Talabfahrt noch geschlossen, fährst du mit der Bahn ins Tal und richtest dich nach der letzten Talfahrt deiner Station.

Quelle: TVB Tux-Finkenberg: Zillertal 3000 · Hintertuxer Gletscher: Lift- und Pistenstatus · Hintertuxer Gletscher: Geöffnete Anlagen · geprüft 20.10.2026

Wo du im Tuxertal wohnst

Fazit

Willst du jeden Morgen früh am Gletscher sein, wohnst du in Hintertux nahe der Talstation. Weiter talauswärts bringt dich der kostenlose Tuxer Sportbus zwischen Vorderlanersbach und Hintertux zur Bahn; im Herbst fährt er laut Betreiber bis 19. Dezember 2026. Ab 4. Dezember 2026 gehört der Gletscher zur Ski- und Gletscherwelt Zillertal 3000 mit Eggalm, Rastkogel, Finkenberg, Penken und Ahorn; zwischen Eggalm und Hintertux fährst du dann mit dem Skibus.

Quelle: Hintertuxer Gletscher: Skibus und Wanderbus · Hintertuxer Gletscher: Zillertal 3000 · TVB Tux-Finkenberg: Zillertal 3000 · geprüft 20.10.2026

Stubai, Kitzsteinhorn, Kaunertal: drei Charaktere

Der Stubaier Gletscher ist der größte der drei und von Innsbruck aus am leichtesten zu erreichen. Regiobusse fahren ab dem Hauptbahnhof bis zur Talstation. Anfangs laufen laut Betreiber vor allem die hohen Ferner, der höchste Lift endet auf 3.212 Metern. Freestyler finden ab Ende Oktober das erste Setup im Snowpark, Langläufer bei guter Schneelage eine Skatingloipe auf 2.600 Metern. Familien sollten wissen: Die Kinderskischule läuft regulär erst ab Mitte Dezember.

Das Kitzsteinhorn hat den Vorteil, dass Kaprun und Zell am See gleich darunter liegen. Am Gletscher ist laut Betreiber der Glacier Park offen, wie viele Pisten laufen, entscheidet sich kurzfristig. Für Tourengeher gibt es markierte Pistentouren, im Rucksack gehören LVS-Gerät, Schaufel und Sonde dazu. Den Bus 660 nimmst du ab dem Bahnhof Zell am See.

Der Kaunertaler Gletscher ist der stillste der drei. Die Straße endet hinten im Tal, die Pisten liegen laut Betreiber dreimal direkt an der Grenze zu Italien auf über 3.000 Metern. Für einen Herbsttag ohne Warteschlange ist er eine gute Wahl, für eine Woche mit Abendprogramm eher nicht.

3S-Bahn am Stubaier Gletscher über verschneiten Hängen
Am Stubaier Gletscher laufen im Herbst vor allem die hohen Ferner.

November: der Winter steigt ins Tal

Im November wandert der Winter Stück für Stück nach unten. Zuerst kommen die Langläufer. In Ramsau am Dachstein sollen laut Tourismusverband Anfang bis Mitte November die ersten Loipen im Langlaufstadion gespurt werden, mit Schnee, der den Sommer über unter Hackschnitzeln gelagert war. Ramsau macht das seit dem Winter 2013, bis zu 80 Prozent des Schnees bleiben dabei erhalten. In Leutasch in der Region Seefeld soll die Snowfarming-Loipe am 13. November öffnen. Oben am Dachstein Gletscher läuft bis 8. November noch der Betrieb der Gletscherbahn, danach pausiert sie bis Weihnachten.

In Sölden sollen nach Angaben der Bergbahnen Giggijoch und Gaislachkogl am 12. November öffnen, bis dahin fährst du auf den beiden Gletschern. Am 20. November will Obertauern starten, als erstes großes Skigebiet ohne Gletscher in diesem Überblick. Der Ort liegt auf über 1.700 Metern, direkt auf der Passhöhe der Radstädter Tauern.

Ende November wird der Kalender voll. Gastein beginnt am 27. November mit Teilbetrieb an Schlossalm und Stubnerkogel, verbunden ist die Skischaukel erst ab 11. Dezember. Am selben Tag startet der Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn in seine Winterstart-Tarifzeit. Am 28. November folgt der Hauser Kaibling in Schladming-Dachstein. Ski Arlberg mit Lech, Zürs, St. Anton und St. Christoph nennt den 2. Dezember, mit dem Hinweis, dass der Betrieb anfangs eingeschränkt sein kann.

Gespurte Loipe vor dem Dachstein in Ramsau
Ramsau am Dachstein spurt die ersten Loipen mit Schnee aus dem Vorwinter.

Für wen lohnt sich das? Für alle, die vor dem Winterurlaub ein paar Tage zum Einfahren wollen, für Tourengeher und für spontane Wochenenden. Wer eine Woche mit vielen Pisten plant oder den ersten Skikurs für die Kinder sucht, wartet besser bis Mitte Dezember. Vorher laufen meist nur die hohen Lagen, und die Skischulen haben ihr volles Programm noch nicht.

Alle Termine sind Planwerte der Betreiber. Schnee und Temperatur entscheiden, ob es dabei bleibt. Ob es in deiner Region diese Woche schneit, zeigt das Wetterradar, welche Gebiete schon laufen, die Übersicht der Skigebiete.

Draußen steht dir, auch bei minus zwölf Grad

Der Herbst am Gletscher hat einen Haken, den viele erst an der Bergstation bemerken. Im Tal sind es zwölf Grad, oben minus zwölf, dazu Wind über den Grat. Und weil du früh fährst, stehst du in den kältesten Stunden des Tages am Lift. Wer in der Jacke vom Spätwinter kommt, friert bis zehn und schwitzt ab zwölf.

Bewährt hat sich ein Aufbau in Schichten. Unten eine Lage, die Feuchtigkeit nach außen leitet. Darüber eine Isolationsjacke, die du am Mittag in den Rucksack stopfen kannst. Oben eine Schale gegen Wind. Dazu Handschuhe, die für den ganzen Tag reichen, und eine Brille mit Scheibe für flaches Herbstlicht. Den Helm sowieso.

Welche Scheibe zu deinem Licht passt, klärt der Skibrillen-Berater, welcher Helm zu deinem Kopf passt, der Skihelm-Berater. Ob eine Isolationsjacke mit Daune oder Kunstfaser für dich die bessere ist, zeigt der Isolationsjacken-Berater. Und wenn der alte Skischuh nach dem Sommer im Keller drückt, hilft der Skischuh-Berater.

Wer im Oktober auf dem Gletscher war, kennt das Gefühl am Abend. Die Oberschenkel brennen, die Nase ist rot vom Wind, und im Tal sitzt man noch draußen. Es ist der kürzeste Weg in den Winter. Und er ist offen.

SF

Inspiration, Wissen und Ausrüstung für Menschen, die draußen mehr erleben wollen.